Gesellschaft und Akzeptanz

Unsere Gesellschaft spricht immer davon, jeder soll so sein wie er ist. Aber wird das wirklich akzeptiert? Dürfen wir wirklich so sein wie wir wollen? Oder werden wir doch komisch angestarrt, wenn wir aus der Reihe fallen? Wird nicht hinter unserem Rücken getuschelt, wenn wir uns anders verhalten oder anders denken wie die breite Gesellschaft? Man wird doch eher meistens getadelt für sein Anderssein. Man lernt sein Ich zu verstecken und versucht sich immer mehr anzupassen. Man versucht sein Denken und Handeln der breiten Gesellschaft anzupassen. Und nur für den Preis, sich selbst zu verlieren. Man wird seines Ichs beraubt.

Dieses Verstecken fängt schon bei der freien Meinungsäußerung an. Wir haben das Recht unsere Meinung frei zu äußern, aber ist man anderer Meinung wie die breite Gesellschaft wird man ermahnt, getadelt und im schlimmsten Fall nicht akzeptiert. Was bringt uns unsere Meinungsfreiheit, wenn wir uns nicht frei äußern dürfen über uns selbst, über Sexualität oder auch über Gefallen oder nicht Gefallen. Leider wird die Meinungsfreiheit häufig missbraucht, um Hass zu schüren, um sich gegenseitig aufzuhetzen. Statt jeden so zu akzeptieren wie er ist, das Ich der unterschiedlichsten Menschen zu akzeptieren und zu fördern. Aber woher rührt, dieses permanente Kritisieren statt Akzeptieren?

Die meisten akzeptieren sich selbst nicht. Sie haben Angst, sie selbst zu sein, eventuell sogar einfach mit sich selbst und seinen Leistungen zufrieden zu sein. Diese Angst kommt in den meisten Fällen aus Angst, von der breiten Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden. Denn trotz jeglicher Proklamation wie „sei du selbst“ oder „nur du kannst selbst dein bestes Ich sein“ wird man doch schnell von der Gesellschaft als „nicht normal“ angesehen. Aber ganz ehrlich, was ist denn normal. Ist es normal, immer zu schweigen? Sich selbst nicht treu bleiben? Dies beginnt schon häufig bei ganz normalen Dingen, wie der Wahl der Kleider. Zieht man sich anders an wie die Meisten, wird man kritisch beäugt. Redet man anders, wird man kritisiert. Sagt man einmal zu oft laut, was man denkt, wird man geschockt angeguckt und getadelt, man könne sich nicht benehmen. Ist man kleiner oder größer als der Großteil der Gesellschaft, wird man permanent darauf aufmerksam gemacht. Hat man nicht die 08/15 Figur, und zieht sich nicht „Figur angemessen“ an, wird geredet. Aber man soll so sein wie man ist. Um den Blicken sowie dem Getuschel auszuweichen, fängst du an dich anzupassen. Ziehst dich unauffällig an. Bist still. Ziehst dich in ein Schneckenhaus zurück. Und nur um akzeptiert zu werden, um das Gefühl zu haben, „willkommen“ zu sein. Aber innerlich fühlst du dich zerrissen. Fühlst dich immer mehr fehl am Platz, obwohl du versucht hast dich immer mehr anzupassen. Und nur um etwas „normaler“ sein. Aber was ist denn schon normal? Die Gesellschaft sollte sich befreien von ihrem engstirnigen Denken von der einen „Richtigkeit“. Jeder sollte sich fragen, ob er sich selbst verstellt, um akzeptiert zu werden. Jeder sollte sich fragen, ob er jemanden und etwas nicht akzeptiert, weil es einem persönlich nicht gefällt oder weil das Gefühl besteht die Gesellschaft im Allgemeinen akzeptiert es nicht. Jeder sollte sein eigenes Ich finden. Danach fällt die Akzeptanz vom „Anderen“ nicht mehr so schwer. Denn ich wage zu behaupten, dass jeder „Anders“ ist, dass es das „Normal“ der Gesellschaft in dem Sinne gar nicht gibt. Man darf aus der Reihe tanzen. Man darf auch mal den Mund aufmachen. Auch wage ich zu behaupten, dass wenn jeder sein Ich gefunden hat und dieses auch sozusagen auslebt, man ein stärkeres Selbstvertrauen hat und mit der Meinung anderer besser umzugehen weiß. Man traut sich vielleicht auch mehr, zu seiner Meinung zu stehen, sie zu sagen. Ich stelle auch die wage Vermutung auf, dass so vieles einfacher und friedlicher wäre, wenn man endlich lernen würde jeden so zu akzeptieren wie er ist.

Es ist ein ewiger Kreislauf. Finde dein Ich und versuche andere Meinungen, andere Persönlichkeiten zu akzeptieren. Sei du selbst und frage dich immer, ist es meine Meinung oder die der breiten Gesellschaft? Akzeptiere ich den Anderen, so wie er ist? Werde ich akzeptiert?

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